Immer mehr Indoor-Grower beschäftigen sich mit dem Einsatz von Far-Red (Fernrot, 700–750 nm) im Cannabisanbau. Während Rot und Blau seit jeher die Hauptrollen in der Pflanzenbeleuchtung spielen, zeigen aktuelle Studien, dass auch das „unsichtbare Rot“ eine Schlüsselrolle übernehmen kann. Far-Red beeinflusst nicht nur das Streckungswachstum, sondern auch Photosyntheseeffizienz, Blühinduktion und Cannabinoidbildung. Richtig eingesetzt eröffnet es Growern neue Möglichkeiten, das volle Potenzial ihrer Pflanzen auszuschöpfen – falsch dosiert kann es jedoch zu unerwünschten Effekten führen.
Bereits 1957 stellte Robert Emerson fest, dass die gleichzeitige Bestrahlung mit Rot (~660 nm) und Fernrot (~730 nm) die Photosyntheseleistung stärker steigert, als beide Spektren allein. Dieser sogenannte Emerson-Effekt basiert darauf, dass die beiden Photosysteme (PSII und PSI) optimal ausgelastet werden. Für Cannabis heißt das: Far-Red kann die Lichtnutzungseffizienz verbessern, sofern ausreichend Rotlicht vorhanden ist. Moderne LED-Growlights wie unser FLUXshield Babo 450C nutzen gezielt 660 nm Deep-Red in Kombination mit 730 nm Fernrot, um diesen Effekt nachzuahmen.

Ein kurzer Impuls (15–30 Minuten, Integral ~20.000 µmol/m²) direkt nach Licht-Aus kann die Umwandlung des aktiven Phytochroms beschleunigen. Die Pflanze interpretiert den Tag dadurch als kürzer, was die Blühinduktion früher einsetzt. Für Sorten mit längerer Vorblüte kann dies eine echte Abkürzung sein.
Durch ein EOD-Far-Red-Signal ist es möglich, die Photoperiode praktisch auf 13/11 auszudehnen. So erhalten die Pflanzen 8 % mehr DLI, ohne dass stärkere Lampen oder zusätzliche Leuchtmittel notwendig sind. Dieses Mehr an Photosynthese kann den Ertrag steigern, wobei die Sorte entscheidend ist: Manche reagieren positiv, andere zeigen Verzögerungen in der Blüte.
Wird Fernrot für 1–2 Stunden oder länger am Abend eingesetzt, lassen sich teils mehr Biomasse und Blütenmasse erzielen. Allerdings steigt die Gefahr, dass die Pflanze die Dunkelphase „falsch“ interpretiert, was die Blüte verzögern kann. Für praxisorientierte Grower ist diese Methode daher eher experimentell.
Neben den Tagesend-Strategien ist auch das Verhältnis von Rot zu Fernrot (R:FR) entscheidend. Ein niedriges R:FR (viel Fernrot) fördert das Streckungswachstum und steigert die Blütenmasse – kann jedoch die Cannabinoid-Konzentration verwässern. Ein hohes R:FR (wenig Fernrot) führt zu kompakteren Pflanzen mit zum Teil höheren Wirkstoffgehalten, allerdings bei weniger Ertrag. Grower sollten daher bewusst abwägen, ob Qualität oder Quantität Priorität hat.
Far-Red ist kein Wundermittel, sondern ein Werkzeug für Feinabstimmung. Ob schnellere Vorblüte durch kurze EOD-Impulse, mehr Ertrag durch 13/11-Strategie oder experimentelle Langzeit-Belichtung: Der Nutzen hängt stark von Sorte, Setup und Ziel ab. Richtig eingesetzt kann die Strahlung im Bereich 700-750 nm jedoch die Photosynthese optimieren, die Blühinduktion beschleunigen und die Ertragsleistung verbessern.
Um den Emerson Effekt flexibel zu nutzen, und dennoch Kontrolle über die Morphologie zu erhalten, haben wir das FLUXshield Babo 450C mit zwei Lichtspektren entwickelt.
Volle Kontrolle erhältst Du mit unseren individuell anpassbaren Modul-Sets und einer Controller Steuerung. Damit kannst Du EOD-Far-Red und Intensität je nach Phase anpassen und das Lichtregime optimieren.
Hier ein noch ein paar Quellen, um dein Wissen zu Far-Red zu vertiefen:
Nein. Cannabis wächst und blüht auch ohne Fernrot. Dennoch kann der Einsatz gezielt Vorteile bringen – etwa eine schnellere Vorblüte, ein höheres DLI oder dichtere Blütenstrukturen. Ob sich Fernrot lohnt, hängt von Sorte, Setup und Zielen ab.
Für EOD-Impulse hat sich ein Integral von ca. 20.000 µmol/m² bewährt. Das entspricht einer Bestrahlungsdauer von 15–30 Minuten bei 20–50 µmol/m²/s. Längere Phasen mit Fernrot (1–2 h) sind experimentell und können die Blüte verzögern.
Ja. Mit gezieltem EOD-FR ist es möglich, von 12/12 auf 13/11 zu wechseln. Dadurch steigt die tägliche Lichtintegral (DLI) um ca. 8 %, ohne dass die Lampe mehr Leistung bringen muss. Wichtig: Sortenabhängig testen, da manche Cultivars empfindlich reagieren.
Studien zeigen: Mehr Fernrot kann den Ertrag steigern, aber die Cannabinoid-Konzentration senken. Ein hohes Rot:Fernrot-Verhältnis (R:FR) fördert dagegen dichte Blüten und oft mehr Potenz. Grower müssen daher bewusst abwägen, ob sie Qualität oder Quantität priorisieren.
Nicht jede LED hat integrierte 730-nm-Dioden. Empfehlenswert sind modulare Systeme mit seperatem FR-Kanal, um Fernrot komplett unabhängig steuern zu können.